22.01.2020

Elektrofahrzeuge (EV) in Firmen-Fuhrparks:

Daten aus 2 empirischen Studien. Plus Schlußfolgerungen für Ihren Fuhrpark.

 

Download pdf hier:

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Zahlen und Fakten zu EV in Unternehmensflotten

Kürzlich hat das deutsche CAM - Center of Automotive Management - eine interessante Studie zu Markttrends in der Elektromobilität in internationalen Kernmärkten veröffentlicht. (Quelle).

 

Die Studie zeigt: Die Entwicklung der Elektromobilität (batterieelektrische Autos BEV, Plug-in-Hybride PHE) war 2019 in den beiden größten Absatzmärkten China und USA rückläufig. In Europa hingegen wächst der Anteil der Elektromobilität rasant, wobei Deutschland den größten Zuwachs verzeichnete (+ 61%). (Quelle).

Mit Ausnahme Norwegens liegt in Europa der absolute Anteil jedoch immer noch auf sehr niedrigen Niveau: Nur 2-3% aller Neuwagen sind elektrisch. (Quelle).


Diese Ergebnisse stimmen mit anderen Studien überein, wie zum Beispiel einer Studie des Schweizer Flottenmanagement-Software-Unternehmens Avrios, welche die Flotten seiner Kunden analysiert, die eine Gesamtflotte von 90.000 Fahrzeugen in Europa repräsentieren. (Quelle1, Quelle2).

Die Avrios-Studie zeigt ebenfalls eine beeindruckende Wachstumsrate des Anteils von Elektrofahrzeugen von 2016 bis 2018 von 170%. Sie zeigt zudem auch, dass nur 2-3% der Gesamtzahl der Fahrzeuge Elektrofahrzeuge sind. 80% der Firmenflotten haben überhaupt keine Elektrofahrzeuge.

 

Die strategischen Treiber der Elektromobilität


Was Europa angeht, scheinen die Gründe für das niedrige absolute Niveau der Elektromobilität und das starke Wachstum aus diesen beiden Studien klar zu werden, ebenso auch aus anderen Studien wie z.B. einer Studie des deutschen Fraunhofer IOA. (Quelle).

 

Hauptgründe für die Nichtverwendung von EV sind:

  • Fehlende Ladeinfrastruktur (auf der Straße, beim Unternehmen und beim Fahrer zu Hause)

  • Unzureichende Reichweite von EV

  • Unzureichende Funktionalität des Elektrofahrzeugs (z. B.  „Prestige“ eines Elektrofahrzeugs als Dienstwagen)

  • Unsicherheit über die direkten Kosten von Elektrofahrzeugen (Wartung, Restwert,…)

  • Unsicherheit über die Auswirkungen staatlicher Vorschriften (z. B. Steuervorteile für Elektrofahrzeuge, Beschränkungen in Bezug auf Diesel,…)
     

Hauptgründe für das Wachstum sind: 

  • die technologische Entwicklung (Infrastruktur, Reichweite, Funktionalität), welche die oben genannten Hindernisse für die Nutzung von EV reduzieren

  • und die zunehmenden Kenntnisse über Elektrofahrzeuge, welche Unsicherheiten und Risiken bezüglich Elektrofahrzeugen verringern

Fazit für Unternehmen: Fuhrparkstrategie


Die makroökonomischen und ökologischen Aspekte von Elektrofahrzeuge sollen hier außen vor gelassen werden… (Auf dieser Ebene sind Elektrofahrzeuge im Grunde für ein Land nur dann sinnvoll, wenn die Stromerzeugung und die Elektrofahrzeuge selbst „umweltfreundlicher“ und kostengünstiger sind, als alternative Fahrzeuge. Gleichzeitig können sich heutige kostspielige nationale Investitionen in neue Elektrofahrzeug-Technologie später auszahlen.)

 

Die Frage für Unternehmen mit Fuhrparks lautet: Welche konkreten Schlussfolgerungen ziehen Sie aus diesen allgemeinen Fakten und den verfügbaren Kenntnissen über Elektrofahrzeuge?

 

Wie ist Ihre Flottenstrategie in Bezug auf z.B. Fahrzeugauswahl, Organisation Ihres Flottenmanagements und notwendiger Technologie?

 

Bei genauerer Betrachtung - nicht der Gesamtzahl der Fahrzeuge, sondern der Anzahl je einzelne Unternehmensflotte - stellt die Avrios-Studie fest, dass 80% der Unternehmen überhaupt kein Elektrofahrzeug haben, während einige Unternehmen Elektrofahrzeuge bereits sehr intensiv nutzen.

 

Der Grund dafür ist einfach: Während es eindeutig Anwendungsfälle gibt, in denen ein Elektrofahrzeug nicht die beste Alternative ist, gibt es andere Anwendungsfälle, in denen Elektrofahrzeug gut passt und sogar Vorteile gegenüber anderen Alternativen hat. In der Avrios-Studie werden lokale Dienstleistungsunternehmen oder Fahrzeuge für den Kurzstreckentransport innerhalb von Unternehmen oder zwischen Werken als Beispiele genannt.

 

Fazit: Es kommt auf den Anwendungsfall der Unternehmensmobilität an. Je nach Anwendungsfall kann Elektro deutliche Vorteile gegenüber alternativen Fahrzeugen haben.

 

Was ist Ihre EV-Strategie? Haben sie Use-Cases für Elektrofahrzeuge?


Um dies herauszufinden, sollten Sie folgende tun:

  • Analysieren Sie die Routen und Entfernungen, die Ihre Fahrer fahren (manchmal ist die "wahrgenommene" Entfernung länger als die tatsächliche Entfernung!)

  • Erwägen Sie Alternativen von Poolfahrzeugen/ Car Sharing (als Ergänzung zu fest auf Fahrer zugeordnete Fahrzeuge).

  • Vergleichen Sie die Kosten für Elektrofahrzeuge mit den Kosten für Alternativen (TCO): Beziehen Sie sich neben Finanzierung / Leasing auch Kraftstoff, Wartung, Versicherung, Restwerte und Steuern mit ein.

  • Quantifizieren Sie die aus externen Vorschriften resultierenden Risiken und möglichen Absicherungsmaßnahmen

Marcus Hennecke

Januar 2020

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